Rund 380 Fachleute aus aller Welt kamen zur biocat2026 auf dem TUHH-Campus zusammen. Foto: TU Hamburg
Rund 380 Fachleute aus aller Welt kamen zur biocat2026 auf dem TUHH-Campus zusammen. Foto: TU Hamburg
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380 Experten aus 32 Nationen: Biokatalyse-Kongress „biocat2026“ an der TUHH

Harburg - Rund 380 Fachleute aus 32 Nationen machen den Campus der TUHH beim 12. Biokatalyse-Kongress zum Zentrum für nachhaltige Biotechnologie. Nachhaltigkeit ist eine zentrale wissenschaftliche Forschungsaufgabe – das bewies der traditionsreiche Kongress „biocat2026“ eindringlich.

Fünf Tage lang drehte sich auf dem Harburger Campus der TU Hamburg (TUHH) alles um die nachhaltige Chemie der Zukunft. Hierfür versammelte das Event rund 380 Experten aus Wissenschaft und Industrie. Die Veranstaltung hat sich als einer der weltweit wichtigsten Treffpunkte der Biokatalyse-Community etabliert. Im Fokus stand dabei der interdisziplinäre Austausch über den Einsatz von Enzymen für eine umweltschonende industrielle Produktion und effektiven Klimaschutz.

TUHH-Präsident Prof. Andreas Timm-Giel sowie der Leiter des Instituts für Technische Biokatalyse Prof. Andreas Liese betonten bei ihrer Begrüßung im Audimax I die Bedeutung wissenschaftlicher Forschung auf dem Weg zu einer nachhaltigen Industrie: „Biokatalyse ist eine Schlüsseltechnologie für eine Chemie mit weniger Energie, weniger Lösungsmittel und ohne fossile Rohstoffe“, sagte Prof. Liese, der die Konferenz gemeinsam mit den Co-Vorsitzenden Prof. Johannes Gescher und Prof. Anna-Lena Heins leitete. „Das ist ganz im Sinne des TUHH-Leitmotivs ‚Engineering to Face Climate Change‘.“

Wie schon in den vergangenen Jahren war der Kongress international breit aufgestellt – über die Hälfte der Gäste reiste aus dem Ausland an. „Der Klimawandel kennt keine Landesgrenzen, und Wissenschaft darf sich von politischen Grenzen nicht aufhalten lassen“, so Liese. „Es freut mich deshalb sehr, dass Forschende aus 32 Ländern an die TUHH gekommen sind, um die Zukunft mitzugestalten."

Das dichte Vortragsprogramm widmete sich in diesem Jahr vor allem zukunftsweisenden Technologien wie der KI-gestützten Enzymforschung sowie biobasierten Lösungen für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft. Neben klassischen Fachvorträgen sorgten die sogenannten „Lightning Talks“ für Dynamik. In den Blitzvorträgen stellten Forschende ihre Projekte kompakt in wenigen Minuten vor.

Das Highlight des Rahmenprogramms wartete am Dienstagabend auf die Community: Für die traditionelle Fest-Gala ging es an Bord des Raddampfers „MS Louisiana Star“ auf eine Rundfahrt durch den Hamburger Hafen. Vor der Kulisse von Elbphilharmonie und HafenCity bot das Congress Dinner den perfekten Rahmen für die Vergabe der renommierten „biocat2026 Awards“.

Für die Auszeichnung kommen Forscher aus aller Welt infrage, die die Biokatalyse nachhaltig geprägt haben. Vergeben wird der Preis in den Kategorien Academia, Industry und Lifetime Achievement durch die Kongressleitung gemeinsam mit dem wissenschaftlichen Beirat des Kongresses.

Der Preis für Academic Research ging in diesem Jahr an Prof. Selin Kara, Leiterin des Instituts für Technische Chemie der Leibniz Universität Hannover. Sie habilitierte an der TU Hamburg und prägte mit ihrer wegweisenden Arbeit zu Enzymreaktionen in nicht-konventionellen Lösungsmitteln maßgeblich, wie biokatalytische Prozesse heute geführt werden. Prof. Stefan Lutz, Chief Scientific Officer beim US-Biotechnologie-Unternehmen Codexis, erhielt den Preis in der Kategorie Industrial Research. Durch die Forschung seines Teams konnte die jahrzehntelang übliche, lösungsmittelintensive Chemie der Oligonukleotid-Herstellung erfolgreich durch nachhaltige, enzymatische Verfahren in Wasser ersetzt werden. Den Preis für sein Lebenswerk erhielt schließlich Prof. Haruyuki Atomi von der Universität Kyoto.

Prof. Haruyuki Atomi erhält den biocat-Award für sein Lebenswerk, Prof. Selin Kara für ihre akademischen Forschungsleistungen und Prof. Stefan Lutz wurde für seine Leistungen in der industriellen Forschung geehrt. Foto: TU