Ratgeber- in vielen Ballungszentren prallen hohe Nachfrage und wenig Angebot aufeinander. Eine freiwerdende Mietwohnung hat oft dutzende, in stark nachgefragten Lagen schon mal mehr Bewerber. Für Interessierte bedeutet dies, dass neben der reinen finanziellen Ausstattung auch die Vorbereitung, das Auftreten und die Kommunikation bei der Auswahlentscheidung eine Rolle spielen. Wer die eigene Situation stark strukturiert und die Anforderungen der Vermietenden kennt, erhöht die Chancen, aus der Masse positiv aufzufallen.
Vorbereitung: Unterlagen, Budget, Marktkenntnis
Bevor es an die erste Besichtigung geht, ist eine nüchterne Bestandsaufnahme angesagt. Dazu gehört ein realistisches Budget, in dem nicht nur die monatliche Nettokaltmiete, sondern auch die Nebenkosten und die eigenen Lebenshaltungskosten berücksichtigt sind. Klären lassen sollte man auch, welche Wohnungsgröße und Lage langfristig tragbar sind. Viele Vermietende erwarten Nachweise wie aktuelle Gehaltsabrechnungen, eine Schufa-Auskunft, eine Mietschuldenfreiheitsbescheinigung und eine ausgefüllte Selbstauskunft. Gut sortiert in einer Mappe, die man dem Vermieter bei der Besichtigung aushändigen kann, oder als übersichtliche digitale Datei. Ein wenig Grundkenntnis über die ortsüblichen Mietpreise in der betreffenden Stadt ist hilfreich. Hierbei können die Mietspiegel der Gemeinden, die Auswertungen der großen Immobilienportale oder die Auskünfte von den Mietervereinen herangezogen werden, um zu beurteilen, ob ein bestimmtes Angebot im Rahmen einigermaßen üblich ist. Rechtlich ist hier die ortsübliche Vergleichsmiete von Bedeutung, die sich nach den Mieten ähnlicher Wohnungen im jeweiligen Pflegebereich der Gemeinde richtet.
Auftreten bei Besichtigungen: Präsenz ohne Druck
Der erste Eindruck entsteht meist schon vor dem Betreten der Wohnung. Pünktliche Meldung bei dem Ansprechpartner vor Ort, eine kurze Anmeldung und ein sachlicher Gesprächston führen in der Regel zu einem geordneten Verlauf.
Bei sehr nachgefragten Wohnungen müssen öfters Sammelbesichtigungen durchgeführt werden. Hierbei ist es vorteilhaft, wenn die Interessenten Rücksicht auf die übrigen Teilnehmenden nehmen, Wege freihalten und ihre Fragen gezielt stellen, anstatt lange Einzelgespräche zu führen, die andere erst mal warten lassen. Kleidung und Auftreten brauchen nicht übermäßig formell zu sein, sollten aber einen gepflegten Eindruck machen. In den meisten Fällen wirken respektvoller Umgang, offener Augenkontakt sowie bei Anliegen, Botschaft und Motivation der eigenen Situation eine kleine kurze Präsentation besser, als die besonders aufdringliche Selbstvermarktung. Da über den Zustand der Wohnung oder die Lage abwertend gesprochen wird, gilt dies als Risiko für die Interaktion im weiteren Verlauf, weil es Zweifel an der langfristigen Zufriedenheit wecken kann.
Inhalte der Selbstpräsentation: Klarheit statt Ausschmückung
Vermieter interessieren sich hauptsächlich für die Zahlungsfähigkeit, Zuverlässigkeit und beabsichtigte Nutzung des Wohnraums. Bei einer kurzen, strukturierten Selbstpräsentation sind dazu Beruf, Haushaltsgröße, geplante Einzugsdauer und Haustierhaltung zu nennen. Nüchternheit ist angesagt, keine Dramatisierung oder Verfälschung, besonders wichtig ist dies bei befristeten Arbeitsverträgen, wenn man in einer Wohngemeinschaft lebt oder selbstständig arbeitet. Auch zusätzliche Unterlagen, wie etwa einen Arbeitsvertrag oder betriebswirtschaftliche Auswertungen, könnten zur Klärung beitragen.
Bei Fragen zur Person wird die Orientierung am allgemeinen Auswahlkriterien sehr hilfreich sein. Wer dazu sinnvolle, überprüfbare Angaben macht, signalisiert Verlässlichkeit. Übertriebene Zusagen, etwa zur Mietdauer, können später Konflikte auslösen, wenn sich die Rahmenbedingungen ändern.
Nach der Besichtigung: Gezielte Nachbereitung
Nach einer Besichtigung entstehen meist zahlreiche Eindrücke gleichzeitig. Für Interessenten kann eine kurze Notiz gleich danach hilfreich sein, um Einzelheiten zu Lage, Zustand, Aufteilung und Atmosphäre festzuhalten. Auf dieser Grundlage lässt sich dann prüfen, ob die Wohnung tatsächlich die eigenen Prioritäten trifft oder nur deshalb aus Mangel an Alternativen interessant scheint.
Gegenüber Vermietern wirkt eine frühe, strukturierte Rückmeldung in der Regel positiv. Eine kurze E-Mail mit Dank für die Besichtigung und einer klaren Aussage zur eigenen Entscheidungsbereitschaft, in der dann auch gleich alle Unterlagen gebündelt zur Verfügung stehen, erleichtert die Auswahl. Eine sachliche Sprache, ohne Druck und Dringlichkeitsappelle, genügt hier völlig. Ständige Nachfragen in kurzem Abstand zueinander, ohne neue Informationen, können zu dem Eindruck von Ungeduld führen.
Auswahlkriterien und Perspektive der Vermietenden
Damit Interessenten ihre eigene Rolle besser einschätzen können, ist ein Blick auf gängige Kriterien aus Vermietersicht sinnvoll. Neben der Miethöhe und der Frage, ob die Einkommenssituation zu den regelmäßigen Zahlungen passt, geht es vor allem um Planbarkeit und Konfliktpotenzial. Einige Vermietende achten etwa darauf, dass die Zahl der einziehenden Personen zum Grundriss und zur Wohnfläche passt oder dass keine absehbaren Nutzungskonflikte mit der Hausgemeinschaft zu erwarten sind.
Anbieter weisen darauf hin, dass ein strukturiertes Auswahlverfahren das Risiko späterer Konflikte herabsetzen kann. Dazu gehört eine einheitliche Kriterienliste, schriftliche Notizen über die Eindrücke bei der Besichtigung und der Abgleich der Angaben mit den eingereichten Unterlagen. Für Wohnungssuchende bedeutet das: die Konsistenz von Auftreten, Angaben im Gespräch und in den Dokumenten ist ein wichtiges Kriterium.
Handlungsspielraum der Wohnungssuchenden
Der Wohnungsmarkt lässt sich von einzelnen Personen nur sehr geringfügig beeinflussen. Beeinflussbar ist aber, wie gut die eigene Vorbereitung und Präsentation, wie gut die eigene Kommunikation an die Rahmenbedingungen angepasst ist. Wer die Unterlagen vollständig bereithält, der die eigene finanzielle Situation realistisch einschätzt, der sich bei Besichtigungen respektvoll und strukturiert verhält, bewegt sich im Bereich der Faktoren, die sich aktiv gestalten lassen.
Gleichzeitig kann es sinnvoll sein, verschiedene Suchkanäle zu nutzen, etwa Online-Portale, lokale Aushänge, eigene Netzwerke im Freundes- und Arbeitsumfeld, aber auch Wohnungsbaugenossenschaften. Eine sachliche Haltung, die knappen Wohnraum als Rahmenbedingung akzeptiert, ohne den eigenen Bedarf dabei aus den Augen zu verlieren, hilft langfristig dabei, die richtigen Entscheidungen zu treffen. So entsteht eine Wohnungssuche, in deren Rahmen die Chancen steigen, etwas Passendes zu finden und zugleich auch als zuverlässige Mietpartei wahrgenommen zu werden.


