Bendestorf - Die Niedersächsischen Landesforsten erproben derzeit auf Waldflächen der Revierförsterei Kleckerwald des Forstamtes Sellhorn ein innovatives Verfahren zur Bekämpfung des Japanischen Staudenknöterichs. Die aus Ostasien stammende invasive Pflanzenart breitet sich seit einigen Jahren entlang von Straßenrändern und an Übergängen zur angrenzenden Bebauung aus und hat inzwischen auch den Kleckerwald erreicht. Um eine weitere Ausbreitung möglichst frühzeitig einzudämmen, hat das Niedersächsische Forstamt Sellhorn das Unternehmen "Böse-Blumen" aus Empelde bei Hannover mit der Bekämpfung beauftragt.
Zum Einsatz kommt dabei eine sogenannte Elektrolanze - ein Verfahren, das ohne Pflanzenschutzmittel auskommt und gezielt gegen die unerwünschte Pflanze wirkt. Fachlich begleitet werden die Arbeiten von Revierförster Claudius Fricke sowie Nils Mischke, Förster für Waldökologie und Naturschutz im Forstamt Sellhorn.
„Der Japanische Staudenknöterich zählt zu den problematischsten invasiven Pflanzenarten in Mitteleuropa. Er bildet dichte Bestände, verdrängt heimische Pflanzen und verändert dadurch ganze Lebensräume. Deshalb ist ein frühzeitiges Eingreifen besonders wichtig", erläutert Förster Claudius Fricke.
Die Elektrolanze arbeitet nach dem Prinzip der elektrophysikalischen Pflanzentötung. Über eine Handlanze wird Strom direkt in die Pflanze geleitet. Eine im Boden verankerte Bezugselektrode schließt dabei den Stromkreis. Die elektrische Energie erhitzt das Wasser in den Pflanzenzellen innerhalb kürzester Zeit, wodurch die Zellstruktur zerstört wird. Die Wasserversorgung der Pflanze bricht vollständig zusammen und sie stirbt ab.
Da der Japanische Staudenknöterich ein besonders tiefreichendes und widerstandsfähiges Rhizomgeflecht bildet, werden Spannungen von bis zu 5.000 Volt eingesetzt, um auch die unterirdischen Pflanzenteile nachhaltig zu schädigen. Je nach Entwicklungsstand der Bestände sind mehrere Behandlungen erforderlich, bis die Pflanze vollständig abgestorben ist.
Gegenüber mechanischen Verfahren wie regelmäßigem Mähen oder dem Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel bietet die Elektrolanze mehrere Vorteile: Benachbarte Pflanzen werden nicht geschädigt, Insekten bleiben unbeeinträchtigt und es gelangen keine Herbizidrückstände in den Boden oder das Grundwasser. Damit stellt das Verfahren eine besonders umweltschonende Alternative für sensible Waldstandorte dar.
Gartenabfälle gehören nicht in den Wald
Die Niedersächsischen Landesforsten weisen darauf hin, dass die Ausbreitung invasiver Pflanzenarten in vielen Fällen vom Menschen verursacht wird. Häufig gelangen Pflanzen wie der Japanische Staudenknöterich über unsachgemäß entsorgte Gartenabfälle in die freie Landschaft. Bereits kleinste Wurzel- oder Sprossstücke reichen aus, damit sich die Art an einem neuen Standort dauerhaft etabliert.
„Was viele für harmlose Grünabfälle halten, kann für unsere heimischen Wälder erhebliche Folgen haben. Deshalb bitten wir eindringlich darum, Gartenabfälle ausschließlich über die vorgesehenen Entsorgungswege zu beseitigen", appelliert Förster Nils Mischke.
Das Ablagern von Gartenabfällen im Wald oder in der freien Landschaft ist in Niedersachsen verboten. Garten- und Grünabfälle gelten rechtlich als Abfall und müssen ordnungsgemäß über die kommunalen Entsorgungseinrichtungen oder die Biotonne entsorgt werden. Wer Gartenabfälle unerlaubt im Wald ablädt, begeht eine Ordnungswidrigkeit nach dem Kreislaufwirtschaftsrecht sowie den abfallrechtlichen Vorschriften Niedersachsens und muss - je nach Umfang und Einzelfall - mit empfindlichen Bußgeldern rechnen. Neben der unerlaubten Abfallentsorgung können dadurch auch erhebliche Schäden an Natur und Waldökosystemen entstehen, wenn sich invasive Pflanzenarten unkontrolliert ausbreiten.


