Harburg - Erkrankungen der Hauptschlagader (Aorta) zählen zu den komplexesten Krankheitsbildern der Herz- und Gefäßmedizin, die oft lange unbemerkt verlaufen. Die extrem seltenen Aneurysmen der Aortenwurzel erfordern wegen ihres potenziell lebensbedrohlichen Verlaufs eine hochspezialisierte Versorgung, insbesondere wenn begleitend die Hauptschlagader eingerissen ist.
Unter der Leitung von Chefarzt Prof. Dr. med. Aron-F. Popov hat das Asklepios Klinikum Harburg sein Angebot in der komplexen Herzchirurgie erweitert und erhält Anfragen weit über die Metropolregion hinaus. Im interdisziplinären Team werden mehr als 50 Eingriffe an der Aorta im Jahr vorgenommen.
Der Fall von Nam Le Duc stellte jedoch auch für die renommierten Harburger Spezialisten eine extreme Herausforderung dar: Statt der normalen drei Zentimeter Durchmesser hatte der 33-Jährige ein knapp neun Zentimeter großes Aneurysma unmittelbar am Übergang zum Herzen und einen Einriss der Hauptschlagader. Der Eingriff verlief erfolgreich, der Hamburger konnte bereits nach 14 Tagen entlassen werden.
Als Nam Le Duc seine Diagnose erhält, ist Eile geboten: Aneurysma der Aortenwurzel, Einriss der Aorta, fortgeschrittene Herzschwäche. Sein Herz verfügt nur noch über etwa 18 Prozent Leistung. Der behandelnde Kardiologe überweist ihn umgehend an das Team der Herzchirurgie im Asklepios Klinikum Harburg.
Aufgrund der Ausdehnung und anatomischen Lage gilt Le Ducs Befund als Hochrisikoeingriff. Die gleichzeitige, nicht ursächlich behandelbare Herzschwäche lässt den Befund aber quasi als inoperabel gelten. „Solche enorm großen Aneurysmen mit einem Einriss der Hauptschlagader sind extrem selten und enden, wenn sie nicht erkannt werden, tödlich. Unser Anspruch ist es, für diese Patienten sichere Lösungen zu finden und somit Lebensqualität wiederherzustellen“, erklärt Prof. Dr. med. Aron-F. Popov, Chefarzt der Herzchirurgie im Asklepios Klinikum Harburg.
Der renommierte Herzchirurg ersetzt die Aortenwurzel und einen großen Abschnitt der Brustschlagader, setzt parallel ein temporäres Herzunterstützungssystem ein. Dieses Verfahren der „geschützten Chirurgie” ermöglicht schwachen Herzen, sich auch bei ausgedehnten und damit belastenden Eingriffen wieder zu erholen. Ein Verfahren, für das in Kombination aktuell hamburgweit in Harburg eine besondere Expertise besteht.
Sichere Behandlung durch Spezialisierung im Team
Eine erfolgreiche Behandlung von derart komplexen Aortenerkrankungen ist stark abhängig von der Erfahrung der Chirurgen, Kardioanästhesisten und Intensivmediziner als Team im Zusammenspiel mit individuellen Behandlungskonzepten. Davon profitiert auch Le Duc: Nach dem sechsstündigen Eingriff kann er nach zwei Tagen auf der Intensivstation bereits das Bett verlassen.
„Durch unsere interdisziplinäre präoperative Planung, die Erfahrung unseres gesamten OP-Teams und die gut abgestimmte postoperative Intensivtherapie konnten wir Herrn Le Duc erfolgreich behandeln. Der Eingriff verlief komplikationslos und der Patient konnte sich gut erholen, sodass er bereits nach zwei Wochen in die Reha entlassen werden konnte“, so Prof. Dr. med. Thoralf Kerner, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin, Schmerz- und Palliativmedizin im Asklepios Klinikum Harburg. Im weiteren Verlauf wird der junge Hamburger zunächst medikamentös behandelt – und kann hoffentlich seine Tätigkeit in einem vietnamesischen Restaurant wieder aufnehmen.

